Pfarrhof in Purschwitzsoll Begegnungszentrum werden
Seit Langem will die Kirchgemeinde die historische Anlage im Ortskern von Purschwitz aufwerten. Bislang scheiterte das am fehlenden Geld. Ein Förderverein will das ändern.
Von Uwe Menschner
Wenn man aus Richtung Bautzen kommend nach Purschwitz hineinfährt, fällt wie in vielen Dörfern zunächst die Kirche mit ihrem leuchtend gelben, viereckigen Turm und dem flachen Pyramidendach auf. Umgeben ist sie von einer etwa mannshohen Mauer aus Feldsteinen, die auch den Friedhof in ihrem Inneren birgt. Auf der anderen Straßenseite gibt es ebenfalls eine solche Mauer; doch scheint sie auf den ersten Blick nichts Bemerkenswertes zu umschließen. Erst wenn man um die Kurve herum fährt und einen Blick durch die schmale Einfahrt zum Pfarrhaus wirft, sieht man ein imposantes, aus Feldsteinen gemauertes Gebäude mit mächtigen Torbögen und einem hohen, von Fledermausgauben gegliederten Dach aus Biberschwanzziegeln.
„Willkommen in der Pfarrscheune von Purschwitz“, sagen Ute Nöldner und Jürgen Schilder, während sie die Tür öffnen. Innen herrscht Dunkelheit, die nur durch das von außen herein dringende Tageslicht etwas aufgehellt wird. Immerhin genug Licht, um die Stützkonstruktion aus gewaltigen Pfeilern zu bewundern, welche das Dach trägt. Zu wenig Licht wiederum, um die Wandnischen wahrzunehmen, die laut Ute Nöldner bei abendlichen Veranstaltungen – dank entsprechender Beleuchtung – für eine ganz besondere Atmosphäre sorgen.
Auch von oben dringt etwas Licht in die Scheune – es fällt durch Öffnungen im Dach und zeigt an, wie es um dieses bestellt ist: „Überall gibt es Lücken, durch die, wenn es regnet oder schneit, natürlich auch Feuchtigkeit ins Innere dringt“, wie Jürgen Schilder erklärt. Ute Nöldner und er wollen mithelfen dafür zu sorgen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändert – als Vorsitzende des im Juni gegründeten Fördervereins „Historischer Pfarrhof Purschwitz“ und deren Stellvertreter.
„Ideen, das historische Gebäudeensemble im Pfarrhof aufzuwerten, gibt es schon seit mehreren Jahren“, sagt Ute Nöldner. Zu diesem gehört neben der Pfarrscheune und dem Pfarrhaus noch ein Nebengebäude, das keinen speziellen Namen trägt. „Nach einem Förderaufruf haben wir vor einigen Jahren begonnen, ein Nutzungskonzept für die Pfarrscheune samt Nebengebäude in Purschwitz zu entwickeln“, schreibt die Kirchgemeindevertretung Purschwitz – Kleinbautzen auf ihrer Website. Dieses historisch wertvolle Bauensemble soll möglichst erhalten und weiter sinnvoll genutzt werden. Eine Planung sei in Auftrag gegeben und der Bauantrag gestellt bereits genehmigt. „Leider können wir wegen fehlender Eigenmittel das Projekt derzeit nicht umsetzen“, heißt es weiter.
Und hier setzt nun der Förderverein an: „Wir wollen in einem ersten Schritt Gelder für die Neudeckung des Daches der Pfarrscheune sammeln“, erklärt Ute Nöldner. Dass dies dringend erforderlich ist, wird nicht nur von innen, sondern auch beim Blick von außen klar: Durch die Öffnungen der Gauben lassen sich verrutschte und verschobene Balken erkennen. Das Mauerwerk hingegen wirkt intakt.
Für Ute Nöldner und Jürgen Schilder ist die Vereinsarbeit Neuland; bis vor wenigen Jahren standen beide als Selbstständige noch im Berufsleben. „Hier haben wir die Möglichkeit, etwas Sinnvolles für unseren Heimatort zu tun und auch im Ruhestand noch aktiv zu sein. Dabei gilt es, viel zu lernen“, sind sich beide einig. Vor allem wollen sie nun bei Firmen in Purschwitz und Umgebung und in der Bevölkerung um Unterstützung werben und das Vorhaben bekanntmachen.
Letzterem Zweck dienen auch die zahlreichen Veranstaltungen, die bereits seit 2022 in der Pfarrscheune durchgeführt werden. Dazu gehören Tischtennis-Turniere, Tanzabende, Vorträge, Kaffeetrinken für die Senioren, Buchlesungen sowie Auftritte von Folkloregruppen. Am dritten Adventswochenende gibt es einen kleinen Weihnachtsmarkt mit Krippenausstellung.
Die Planung für 2024 läuft jetzt an. „Wir arbeiten dabei Hand in Hand mit der Kirchgemeinde und mit den anderen Purschwitzer Vereinen“, betont Ute Nöldner. Auch privat kann die Pfarrscheune gemietet werden: „Die Gäste schwärmen immer von dem nostalgisch-morbiden Charme des alten Gemäuers“, so Jürgen Schilder.
Die Sanierung des Scheunendaches ist für den Förderverein nur der erste Schritt; „Ziel ist es, das gesamte Ensemble, zu dem auch das Nebengebäude und der Garten gehören, zu erhalten und als Begegnungszentrum zu nutzen. Wir bauen dabei auf dem von der Kirchgemeinde erarbeiteten Projekt auf“, so die Vorsitzende. Und ihr Stellvertreter fügt hinzu: „Prägend für Purschwitz sind das historische Gebäudeensemble, das sich vom Schloss über die Kirche bis zum Pfarrhof erstreckt und aus der Zeit nach dem großen Brand 1813 stammt, sowie die Vereine, die alle dazu beitragen, das Dorfleben zu bereichern. Dem wollen wir eine weitere Facette hinzufügen.“ Vielleicht bekommt die Kirche als erster Blickfang von Purschwitz ja bald Konkurrenz.
Quellenangabe: vom 06.12.2023, Seite 18
Mit freundlicher Genehmigung von Uwe Menschner